Kerstin Liewald, Abijahrgang 2001:
Der Zweite Bildungsweg - macht das Sinn?
Wenn es mit dem ersten Bildungsweg nicht gleich klappt, aus welchen Gründen auch immer, nicht verzagen, denn es gibt ja zum Glück noch den so genannten Zweiten Bildungsweg. Ich habe mich in meinem Leben schon sehr früh für den "Zweiten Bildungsweg" entschieden. Es gibt ja unzählige Gründe, warum der so genannte normale Lebensweg mit Kindergarten - Schule - Berufsausbildung - Studium, nicht immer so funktioniert, wie es sich manch einer vorstellt. Mal ehrlich, der so genannte "gerade" Weg ist doch auch etwas langweilig. Erst die Kurven und Umwege machen das Leben spannend und erfahrungsreich. So auch mein Leben.
Damals, lang ist es her, bin ich nach der 8.
Klasse von der Schule abgegangen, habe eine Ausbildung absolviert und mich danach entschieden, wieder zur Schule zu gehen. Also, wie gut, dass es den "Zweiten Bildungsweg" gab und gibt - ab zur Volkshochschule. Erst habe ich den Haupt- und Realschulabschluss nachgeholt. Und weil es damit so gut lief, kam das Abitur gleich hinterher. Für das Abitur war das Victor-Klemperer-Kolleg in Berlin Marzahn zuständig.
Es war praktisch, ich konnte tagsüber zur Schule gehen und bekam Bafög, elternunabhängig natürlich, und es musste nichts zurückbezahlt werden. Ebenso keine Schulgebühren!!!!! Das ist sogar bis heute so geblieben!!!!! Was war das Besondere an diesem Kolleg? Zum Einen, dass es ein Tageskolleg ist und zum Anderen die unglaublich vielen Möglichkeiten der Fächer und deren Kombinationen. Neben den üblichen Fächern wie Mathe, Deutsch, Englisch usw. gibt's eben auch Psychologie, Philosophie, viele Fremdsprachen wie Spanisch, Französisch, Russisch aber auch Informatik, Bio, Physik, Chemie, Kunst, Theater…. Da ist wirklich für jeden etwas dabei. Diese Schule bietet auch jede Menge weitere Attraktionen, wie Klassenfahrten, Sportfeste, Jahresfeste, die Abi-Fete darf natürlich auch nicht fehlen. Meine Zeit war von 1997 - 2001, also lang ist es her. Sicherlich war es nicht immer einfach und ich drehte zum Abschluss auch eine Ehrenrunde, konnte mich einfach nicht trennen… Ohne Eigenleistung geht nix. Also, man muss auch etwas tun (,obwohl ich schon einiges getan habe…). Und zur Not kann man auch mal eine Klasse wiederholen, auch das geht. (Es gibt ja immer Gründe, wieso, weshalb, weswegen….) Aber am Ende war es doch geschafft. Mit Tränen in meinen Augen wurde mir bekannt gegeben: "Sie haben bestanden!!!!" Was für eine Erleichterung. Ich konnte es nicht glauben. Obwohl ich mich frage, wer bei den Prüfungen mehr gezittert hat, ich oder die Lehrer. Prüfungen waren nie meine Sache. Was sagt uns das? Nur Mut Leute, es ist zu schaffen. Ich habe es auch geschafft!!!! Und viele, viele andere vor mir und mit mir. Die Fächer haben mich sehr gut auf das Studium vorbereitet. Ich hatte während des Abiturs auch Psychologie und war damit bestens gewappnet, um während des Studiums mal etwas durchzuatmen. Allerdings war für mich auch klar, ein reines Psychologiestudium kommt nicht in Frage. Obwohl ich das vorher wollte. Danke für den Einblick während des Abiturs.
Was ist aus mir geworden? Ja, ich habe Pädagogik studiert, mit den Schwerpunkten Sozial-/Organisationspädagogik und Beratung. Hinterher bekam ich meinen Abschluss als Diplom-Pädagogin. Und weil mir das nicht reichte und ich das Lernen so toll fand, habe ich weitere Qualifikationen gesammelt, wie den Heilpraktiker für Psychotherapie und den Entspannungstherapeuten: neben dem Studium selbstverständlich. Heute gibt es in Niedersachsen das "Zentrum für Entspannung und Kommunikation". Ich bin freiberuflich tätig und glücklich. Ich bereue nix! Also, wer jetzt immer noch behaupten will, dass nach abgebrochener Schule nix mehr geht und das Leben versaut ist, für denjenigen gibt es doch wohl hier den absoluten Gegenbeweis. Was zu beweisen war…… q.e.d. heißt es nicht so in der Mathematik???!!! Danke, dass ich mein Abitur über den "Zweiten Bildungsweg" machen durfte. Für weitere Infos stehe ich gerne zur Verfügung: Kerstin Liewald
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