Kevin Hönicke, Abijahrgang 2007:
Victor-Klemperer-Kolleg: Mein Beweis für den Satz: Du lernst nicht für die Lehrer, sondern für`s Leben.
| Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich damals am Ende der 10. Klasse freute, endlich die Schule hinter mir zu lassen und in das Berufsleben in eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker zu starten. Trotzdem hatte ich den Gedanken , dass der Beruf Lehrer auch ein erstrebenswerter Beruf sein müsste, und dass mir dieser bestimmt Freude machen würde. Jedoch wusste ich, dass ich dafür das Abitur machen und dann noch studieren müsste. Darauf hatte ich nun aber gar keine Lust, da ich einen guten Realschulabschluss hatte und dafür nie wirklich gelernt habe. |
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Ich glaube, ich wusste damals nicht mal, wie man wirklich lernt. Obwohl ich doch immer wieder hörte: "Du lernst nicht für die Lehrer, sondern für dich!?" oder: "Du wirst die Schule eines Tages sehr vermissen, denn so ein Leben wirst du nie wieder haben." Ich habe beides damals nicht geglaubt. Doch kaum ein paar Monate in der Lehre merkte ich den Unterschied zwischen meinem ehemaligen lockeren Leben in der Schule und dem "harten" Berufsleben. Was mir zum Ende der Ausbildung ziemlich bewusst wurde, war, dass ich mir nicht vorstellen konnte, die nächsten 50 Jahre nur an Autos zu schrauben. Es machte Spaß und ich fühlte mich auch wohl in meinem Betrieb, aber sollte das wirklich alles sein?! Ich jedoch informierte mich, was ich nach meiner Ausbildung machen könne und stieß dann auf Informationen zum 2. Bildungsweg. Da waren sie dann wieder, die Gedanken an dem Beruf Lehrer und an die drei weiteren Jahre Schulbankdrücken. Jedoch waren nach den 3 ½ Jahren Ausbildung meine Gedanken etwas anders: Ich fragte mich eher, ob ich das Abitur schaffen könnte. Wäre ich denn so schlau? Nehmen die mich überhaupt auf so einer Schule auf? Ich führte viele Gespräche und in einer Nacht fiel es mir dann wieder ein: "Du lernst für dich und nicht für die Lehrer." Da war der Entschluss gefasst, dass ich es probieren werde, denn was hätte ich auch zu verlieren. Ich war 19 Jahre alt, ich hatte eine Ausbildung abgeschlossen und wusste, dass ich elternunabhängiges Bafög bekommen werde, was ich nicht zurückzahlen muss. Dass ich damals die Seite des VKK mit den ganzen Informationen fand, sehe ich heute als sehr hilfreich an und bin sehr dankbar, dass es diese gab, denn so führte mich mein Weg mit meiner Bewerbung an das VKK. Dies war der Beginn eines wunderschönen Lebensabschnitts. Rückblickend vergingen die nächsten 3 ½ Jahre , wie es meistens der Fall ist, wenn etwas schön ist, sehr schnell. Im Vorkurs war ich der Jüngste. Ich saß das erste Mal mit Menschen in einem Klassenraum, die bereits 30 Jahre alt waren und aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands kamen. Jeder hatte seine eigenen Erfahrungen mitgebracht und seinen Weg hinter sich. Das war einer der Bestandteile des VKK, der mir bis zum Schluss am besten gefiel, dass ich mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun hatte und an den unterschiedlichsten Erfahrungen dieser Menschen teil haben durfte. In der Zeit bis zum Abitur lernte ich viel: Ich merkte, wie schön es sein kann, mehr über die Physik, die Chemie und die Mathematik zu erfahren. In Deutsch entdeckte ich, was es für schöne Bücher, Geschichten und Gedichte gibt. In Geschichte und PW konnte ich mich noch einmal genauer mit der Vergangenheit Deutschlands und den aktuellen Ereignissen auseinandersetzen und dank des Englischunterrichts kann ich nun auch im Studium nicht nur deutschsprachige Quellen nutzen. Es war sowieso ein ganz anderes Lernen, da man nun freiwillig in der Schule saß. Außerdem lernte ich viele Lehrer kennen, welche mir heute auf meinem Weg zum Lehrer als Vorbild dienen, aber auch den einen oder anderen Lehrer, der mir zeigte, dass es gut ist, wenn neue Lehrer an junge Schüler herantreten. Auch an die schönen Feiern, Ausflüge und an die Freundschaften, die ich geschlossen habe, denke ich gerne zurück. Am Ende muss ich sagen, man lernt wirklich für sich und nicht für die Lehrer. Dennoch schafften es so manche Lehrer, bei mir die Motivation für das Lernen zu wecken. Dank dieser erwähnten Lehrer erreichte ich nicht nur ein hervorragendes Abitur, vielmehr gaben sie mir Erfahrungen, die man nicht einfach mal so nebenbei machen kann. Ich stand auf dem Fernsehturm über der großen Kugel außerhalb und mir wehte die Berliner Luft um die Ohren, ich stand in einem Atomkraftwerk direkt neben dem Abklingbecken, ich schoss eine Rakete mehrere hundert Meter in die Luft, ich trat vor einer Menschenmenge im Chor in einer schönen kleinen Kirche auf und ich erfuhr, wie es ist, wenn man für mehrere hundert Menschen einen Abiball organisiert. Ich bin dankbar, dass mir die Chance gegeben wurde, mein Abitur nachzuholen und ich gebe zu, dass ich auch jetzt wieder die Schule vermisse. Die Schüler auf dem VKK sind was besonders und wir freuen uns immer alle, wenn wir uns spätestens auf dem Frühlingsfest oder der Weihnachtsfeier wiedersehen. Da dies aber nicht nur mir und dem Jahrgang 2007 so geht, sind auf diesen Festen immer eine Menge "Ehemaliger" zu treffen. Was spricht mehr für eine Schule, als dass die ehemaligen Schüler immer gerne zurückkommen und zusammen mit den Lehrern feiern? Ich freue mich schon auf das nächste Fest. Bis dahin alles Gute für die Schüler und Lehrer des VKK. |