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Mit großer Trauer erfüllt uns die Nachricht, dass
Frau Dr. Hadwig Klemperer
am 22. September 2010 verstorben ist.
1926 geboren, hätte sie am 5. März 2011 ihr 85. Lebensjahr vollendet.
Hadwig Klemperer war eine große Freundin des Victor-Klemperer-Kollegs. In früheren Jahren war sie mehrfach bei uns zu Gast, entweder zu feierlichen Anlässen oder zu Gelegenheiten, bei denen sie uns über Victor Klemperer erzählte. Meiner Familie war sie eine enge, treue Freundin. Viele Kollegiatinnen und Kollegiaten haben Hadwig Klemperer persönlich kennengelernt, nachdem unsere Schule im Dezember 1996 den Namen ihres 1960 verstorbenen Gatten erhielt. Jedes Jahr ist eine Gruppe von Lehrern und Kollegiaten am Todestag Victor Klemperers (11. Februar 1960) nach Dresden gefahren, um dort das Grab auf dem Dölzschener Friedhof zu besuchen und in Restaurant und Café mit Hadwig Klemperer zusammenzusitzen. Diese Stunden mit der hochgebildeten Gefährtin des großen Mannes wurden von allen als kostbar empfunden. Zu den immer wieder an Hadwig Klemperer gerichteten Fragen gehörte diese: Was bewegten sie für Gedanken, als der über Siebzigjährige ihr, der Sechsundzwanzigjährigen, seinen Heiratsantrag machte? Ihre Antwort war: "Wenn einen ein alter Mann so etwas fragt, lässt man ihn nicht warten." Aus den späten Tagebüchern wissen wir, wie dem verwitweten Professor die junge Studentin ganz allmählich in den Blick gerät, wie er sich deshalb Vorhaltungen macht, sich immer wieder des Verrats an seiner verstorbenen Gattin Eva bezichtigt, wie Hadwig ihm als "eine Art Hausdame" anempfohlen wird und er dies von sich weist: "Dazu habe ich sie zu sehr lieb." Wir erleben, wie die beiden ihre Liebe einander andeuten, wie er neckt und kokettiert und sie ernst bleibt, um schließlich den ersten, entscheidenden Schritt zu tun – alles im Rahmen der damals gültigen Moral- und Anstandsregeln. Und am 14. März 1952 um 23 Uhr dann im Tagebuch diese Beschreibung Hadwigs, in der wir sie durchaus wiedererkannten: "Welche Freude, dies blasse, schmale, geistvolle zugleich fühlende und intellektuelle, kindliche und sehr reife Gesicht zu sehen, die wirklich herzliche Freundschaft, ich glaube fast: die wirkliche Sympathie, das Entgegenkommen zu spüren. Und die Wahrhaftigkeit und das ruhige Wissen in allem." Hadwig Klemperer lebte bescheiden: zunächst weiter im Klemperer-Haus Am Kirschberg in Dresden-Dölzschen, dann in einer kleinen Neubauwohnung am Elbeufer. Mit dem plötzlichen Welterfolg der Klemperer-Tagebücher ab 1995 wurde sie zu einer begehrten Gesprächspartnerin für Klemperer-Interessierte im In- und Ausland. Sie war Victor Klemperer zeitlebens eine treue Gattin und denen, die ihr nahestanden, eine treue Freundin. Ihre Kenntnisse in deutscher, französischer und englischer Literatur waren profund. Neben der Toten fand man ein Exemplar von Huxleys Schöne neue Welt.
Wir gedenken Hadwig Klemperers mit tiefer Achtung und Dankbarkeit.
Marion Hoffmann
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Aus meiner persönlichen Erinnerung an sie:
Gern zitierte Hadwig Klemperer den französischen Schriftsteller Albert Camus (1913–1960): "Seine Grundsätze sollte man sich für die wenigen Augenblicke aufheben, in denen es auf Grundsätze ankommt. Für das meiste genügt ein wenig Barmherzigkeit."
Bei unserem letzten Telefongespräch, zwei Wochen vor ihrem Tod, sprach Hadwig aus dem Gedächtnis diese Verse des schottischen Dichters Robert Burns (1759–1796):
O, wert thou in the cauld blast On yonder lea, on yonder lea, My plaidie to the angry airt, I'd shelter thee, I'd shelter thee. Or did misfortune's bitter storms Around thee blaw, around thee blaw, Thy bield should be my bosom, To share it a', to share it a'.
Or were I in the wildest waste, Sae bleak and bare, sae bleak and bare, The desert were a paradise, If thou wert there, if thou wert there. Or were I monarch o' the globe, Wi' thee to reign, wi' thee to reign, The brightest jewel in my crown Wad be my queen, wad be my queen. |