Philosophie - Sind Sie ein Freund der Weisheit?
Philosophie wird nicht als Philosophiegeschichte verstanden, - denn dann wäre sie eine Unterdisziplin von Geschichte - sondern als Behandlung repräsentativer Probleme der Philosophie. Repräsentative Probleme der Philosophie:
1. Gibt es Erkenntnis, die nicht auf Erfahrung beruht?Aussagen wie z.B.: 2. Oder betrachten wir das Folgende:Wenn von 10 aus einer Urne gezogenen Kugeln 7 schwarz und 3 weiß waren, so erwarten wir, dass die 11. Kugel mit einer Wahrscheinlichkeit von 7:10 schwarz ein wird. 3. Hängt damit auch die Frage "Was ist eine wissenschaftliche Erklärung" zusammen?Man ist prima facie versucht, die Annahme: Vor 5 Minuten ist unsere gesamte Welt von einem allmächtigen Gott mit dem gesamten(!) Inventar geschaffen worden, für eine perfekte Erklärung zu halten, weil sie unwiderlegbar, unangreifbar ist, da jeder Einwand, der auf davon divergierende Erinnerungen Bezug nimmt, gekontert werden kann mit dem Hinweis, dass eben diese Erinnerung Teil der Schöpfung sei. Hier zeigt sich, dass gerade eine Erklärung, um wissenschaftlich verwertbar zu sein, angreifbar, widerlegbar sein muss. 4. Ein ganz anderes Fundamentalproblem zeigt sich in der Moralphilosophie:Wenn gezeigt werden kann, dass Werte nicht zu den Tatsachen gehören, dass moralische Normen nicht durch Bezugnahme auf Tatsachen allein begründbar sind, drängen sich sofort 2 weitere Fragen auf: Gibt es oberste normative Prinzipien? Und: Falls ja, wie lassen sich diese begründen? Eine Antwort auf die 2. Frage scheint aber ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein, wenn Normen wiederum nur mittels anderer Normen begründbar sind.
5. Wiederum anders gelagert ist das folgende sprachphilosophisch-logische Problem:Betrachten wir die beiden Schlüsse
Beide Schlüsse scheinen strukturidentisch - wieso ist dann A gültig, B aber nicht? Schon die alten Griechen haben dieses Problem gewälzt, gelöst werden konnte es erst in der 2. Hälfte des 19.Jhds.. 6. Die Beispielreihe soll abgeschlossen werden mit einem heute wieder brandaktuellem Problem, dem der Willensfreiheit:Wer entscheidet, mein Ich oder mein Gehirn?Wenn beides identifiziert wird, dann bin ich mein Gehirn und dieses ist als körperliches Organ den biologisch-physikalichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen, ist also nicht frei und unabhängig, nach vernunftbezogenen Kriterien ein Urteil zu fällen. Auch scheint auf diese Weise die Frage nach der moralischen Schuld und Verantwortung gelöst zu sein: Es gibt sie nicht!
Diese Beispiele sind nur eine, wenn auch repräsentative Auswahl der Probleme, die in den letzten Kursen behandelt wurden. Philosophie, so wie sie am VKK dargeboten wird, soll eine wissenschaftliche Propädeutik sein, die für alle Fächer (und auch später für die Universität) deren Voraussetzungen aufzeigt und die Kollegiaten mit den notwendigen analytischen Werkzeugen zum kritischen Argumentieren ausrüstet.
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