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Dr. Josef Girshovich zu Gast am VKK - Gelungene Lesung trotz Corona-Zeiten

lesung girshovich001Trotz Corona und allen damit verbundenen Widrigkeiten konnten die Kollegiatinnen und Kollegiaten eines Deutsch- und Englischleistungskurses am 21.08.2020 abermals Dr. Josef Girshovich zu seiner (nach eigener Zählung) dritten Lesung am Victor-Klemperer-Kolleg begrüßen und seinen spannenden Begegnungen aus einer Zeit ohne Reisebeschränkungen lauschen.

Die Reise beginnt mit einem (auf Arabisch vorgetragenen) Auszug aus Mahmoud Darwishs Gedicht, „Der Würfelspieler“: „Wer bin ich, euch zu sagen / Was ich euch sage?“ - das wohl bekannteste Gedicht eines (oder vielleicht des) größten und beliebtesten arabischen Wortkünstler der Gegenwart ruft zum kritischen Blick, zum genauen Zuhören auf. „Ich bitte Sie, einfach einmal die Handys auszuschalten.“ Eine klare Auffordung: Schenken wir uns gegenseitig die volle Aufmerksamkeit und bleiben gemeinsam in diesem Moment, an diesem Ort, ohne Ablenkung. Analog, nicht digital per Videokonferenz und Apps, wie etwa zu Zeiten der Schulschließung durch Corona.

Dies ist auch ein zentrales Motiv der Lesung: Auf dem Weg von Berlin, ohne Geld und mit nur wenigen Habseligkeiten, über viele Stationen (z.B. Belgrad, Troja, Allepo und schließlich Jerusam), erlebt der Autor Situationen zum Schmunzeln und zum Verzweifeln, aber auch Vertrauen auf einen Blick, das fast schon archaische Einkehren bei Fremden und Austauschen von Geschichten und eine Gastfreundschaft, welche facettenreicher nicht sein könnte.

Schließlich stellt sich für den Autor und das Publikum die Frage des Warum. In der Fragerunde antwortet Josef Girshovich in etwa „Ich musste es einfach tun.“ Ein Kollegiat hakt nach: „Wie ein Getriebener?“ Girshovich lacht und nickt. Eine Reise sei es gewesen, die in dieser Art, in ihrer Abenteuerlichkeit, ihrer Ungeplantheit („Dass ich ein Ausreisevisum für die Ausreise aus Syrien bräuchte, das hatte ich nicht bedacht!“) so kein zweites Mal repliziert werden könne.

„Wenn du mir helfen willst, nimm dir Zeit... Aber wenn du mir wirklich helfen willst, nimm mich ein Stück mit.“ zitiert der Autor aus einem Gespräch mit Menschen, auf deren Gastfreundschaft er fern der Heimat angewiesen war. Ein Stück hat er uns auch mitgenommen und Mut gemacht, Ziele zu verfolgen und trotz enormer Sommerhitze und Coronarichtlinien durchzuhalten. „Ich wusste einfach: Ich schaffe das!“ - Ein Motto, welches sich die applaudierenden und sichtlich interessierten Kollegiatinnen und Kollegiaten des Victor-Klemperer-Kollegs auch in Corona-Zeiten auf die Fahne schreiben dürften.

Text & Bilder: M. Poredda

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