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Das Nietzsche-Archiv in Weimar

Nietzsche Gedenkhalle2Im Rahmen der Tagesexkursion nach Weimar am 25.05.2016 besuchten Schüler*innen des Q2-Philosophie-Kurses das Nietzsche-Archiv in der Villa Silberblick. Dort lebte der Philologe und Philosoph Friedrich Nietzsche gemeinsam mit seiner Schwester Elisabeth von 1897 bis zu seinem Tod im Jahr 1900.

Nietzsche Eingang1Noch vor der Besichtigung des öffentlich zugänglichen Teils der Villa, bestehend aus zwei ehemaligen Wohnräumen und einer kleinen Ausstellung über die Arbeit des Archivs, haben wir bei diesem Besuch viel über Friedrich Nietzsche, den Missbrauch seiner Werke während des NS-Regimes und dem anschließenden Umgang mit seinem geistigen Nachlass erfahren. Eine Mitarbeiterin der Klassik Stiftung Weimar führte uns in die Geschichte des Hauses ein, beantwortete unsere Fragen und zeigte uns auf, warum die Arbeit der Stiftung auch für die heutige Rezeption Nietzsches noch von großer Bedeutung ist.

Elisabeth Förster-Nietzsche gründete das Archiv im Namen ihres Bruders bereits zu dessen Lebzeiten. Als Anhängerin und aktive Unterstützerin des Nationalsozialismus setzte sie alles daran, seine Schriften für die NS-Propaganda zu instrumentalisieren. Zu diesem Zweck schreckte sie weder vor Zensur und Zerstörung von Original-Schriften noch vor der Anfertigung von Fälschungen zurück. Tatsächlich entwickelte sich in den Dreißigerjahren ein Kult um Nietzsches Werk – beziehungsweise dem, was Elisabeth Förster-Nietzsche daraus gemacht hat.

Neben der Villa Silberblick sollte sogar eine riesige Gedenkhalle errichtet werden, die als Bildungs- und Tagungsort für die Köpfe hinter der NS-Ideologie dienen sollte. Zur Fertigstellung kam es aufgrund des Krieges jedoch nicht. Heute ist die Halle unbenutzt und zerfällt, lässt aber in ihren Dimensionen noch den Größenwahn ihrer Planer erkennen.

Auch das Nietzsche-Archiv selbst sah nach dem Krieg einer ungewissen Zukunft entgegen. Durch die von Elisabeth Förster-Nietzsche verfälschten Ausgaben galt das Werk Nietzsches auch noch in der DDR als Manifestation der Nazi-Philosophie und war verpönt. Deshalb blieben die Dokumente lange im Archiv verschlossen und gerieten nur langsam wieder in den Fokus philologischer und philosophischer Forschung. Erst 1980 erschien die erste „Kritische Studienausgabe“ und auch heute ist die Nietzscheforschung noch damit beschäftigt, die Originalschriften zu rekonstruieren.

Nach diesem Exkurs in die bewegte Geschichte des Nietzsche-Archivs erfuhren wir noch, dass das „Kolleg Friedrich Nietzsche“ Aufenthaltsstipendien für Studierende der Philosophie und anderer Geisteswissenschaften vergibt. Stipendiaten erhalten für die Dauer ihrer Forschung eine Wohnung in der oberen Etage der Villa Silberblick. Somit haben wir nicht nur Interessantes über Friedrich Nietzsche und die Geschichte seines letzten Wohnortes gelernt, sondern auch, welche Anreize und Perspektiven ein geisteswissenschaftliches Studium bieten könnte.

Denn auch wenn Friedrich Nietzsche ein Philologe und Philosoph des ausgehenden 19. Jahrhunderts war: In der Wissenschaft bleibt er lebendig.

Ronja Zimm (Q2 DE1)

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